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Ein Haus voll Glorie ...

Wenn beim Festgottesdienst am Kirchweihsonntag die feiernde Gemeinde im Kirchenlied Lob, Preis und Dank für „Gottes Zelt auf Erden“ zum Ausdruck bringt, dann darf sich in Buchdorf damit ein gewisser Stolz verbinden. Denn das Buchdorfer Gotteshaus zählt auch nach dem Urteil unvoreingenommener Kenner zu den schönsten Dorf­kirchen der näheren und weiteren Umgebung. Wie alle Kirchen so hat auch Buchdorfs Gotteshaus seine ganz ei­gene Geschichte und bringt mit seinem  Bildprogramm und seinem reichen Schmuck ein einmaliges Zeugnis des Glaubens der Menschen von früher und heute zum Vorschein. Die vorliegende Schrift soll den einheimischen Gläubigen ermögli­chen, mit ihrer Kirche noch vertrauter zu werden und deren Wert noch mehr zu schätzen. Den fremden Besuchern soll sie als Kirchenführer hilfreiche Begleiterin sein bei der Begegnung mit einem besonders gelungenen Werk spätbarocker dörflicher Kirchenbaukunst.

 

...mit bewegter Vergangenheit

 Der Beginn des kirchlichen Lebens in Buchdorf  liegt zwar im Dun­keln, doch dürfen wir zurecht annehmen, dass bereits zur Zeit der ersten schriftlichen Erwähnungen des Ortes im Zusammenhang mit der Geschichte des Klosters Hl. Kreuz in Donauwörth (1101 und 1125) hier ein Gotteshaus gestanden hat. Als nämlich im Jahre 1736 der alte Kir­chenbau abgerissen wurde, fand man ei­ne Steinplatte mit der Jahreszahl 1120 - ein Hinweis darauf, dass es hier in Buchdorf be­reits damals eine Kirche gab. Es war wohl ein Kirchenbau vorwiegend aus Holz, der noch vor der Gründung des Klosters Kaisheim (1133/34) errichtet worden war.

 

Die "Vorgängerinen"

 Dieses erste Gotteshaus überdauerte nur wenige Jahrzehnte und wurde wohl bei den häufi­gen kriegeri­schen Auseinandersetzungen der damali­gen Zeit bald wieder zerstört. Denn im Jahre 1162 - so die Überlieferung - erlässt Kaiser Friedrich Barba­rossa den Befehl, einige Kirchen wieder aufzubauen, darunter auch die in Buch­dorf. Überreste dieses Bauwerkes im romanischen Stil sind heute noch sichtbar im Erdgeschoss des Turmes. In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhun­derts wird auch diese Kirche wiederum als Folge von Kriegshand­lungen zer­stört. Also gin­gen die Buchdorfer im Jahre 1370 aber­mals daran, eine neue Kirche zu bauen, diesmal im gotischen Stil. Ihr Chor lag, wie der des romani­schen Baues, an der Stelle des heuti­gen Turmes. Zeugen dafür sind das heute noch vor­handene Kreuzrip­pen­gewölbe mit dem Schlussstein, der das Antlitz Jesu zeigt, und be­merkens­werte Fresken an Wand- und Ge­wölbeflächen in der oberen Sakristei. Das Kirchenschiff erstreckte sich mit einer Länge von etwa 17 Metern vom Turm aus in Richtung Westen, also neben der heutigen Kirche.

Von Anfang an war die Buchdorfer Gemeinde Filiale der Pfarrei Baier­feld. Im Jahre 1407 bemüh­ten sich die Buchdorfer erstmals um das Recht einer eige­nen Frühmesse, nachdem bis­her im Buchdorfer Gotteshaus nur unregelmä­ßig Got­tesdienste stattfanden. Erst im Jahre 1444 wird die­ser Wunsch erfüllt. Die Ge­meinde bekommt einen eige­nen Geistlichen, einen so ge­nannten Frühmesser, der aber nur Kaplan der Pfarrei Baierfeld ist.

Von der dürftigen Innenausstattung der damaligen Buchdorfer Kir­che be­richtet nach einer Visita­tion im Jahre 1480 der Eichstätter Ka­nonikus Vogt, dass es ei­nen hölzernen Kelch und schmutzige Pa­ra­mente gibt. Der Friedhof ist teil­weise nur mit einem Holzzaun umge­ben.

Im Landshuter Erbfolgestreit hatten sich die Buchdorfer auf die Seite des Ruprecht von der Pfalz geschlagen, einen kaiserlichen Boten ermordet und kai­serli­che Schreiben an Anhän­ger Ruprechts weiterge­geben. Zur Strafe dafür wird Buchdorf am Sankt Barnabastag (11. Juni) des Jahres 1504 im Auftrag Kaiser Maximilians I. von Soldaten des Schwäbischen Bun­des fast völlig zerstört. Nur die Kirche, in die sich ein Teil der Bevölkerung flüchtete, und einige Sölden am Sand blieben verschont.

Im Jahre 1542 schließt sich Pfalzgraf Ottheinrich der protestanti­schen Lehre an und er­lässt 1543 eine neue Kirchenordnung, mit der in seinem Fürstentum und damit auch in Buch­dorf die Reformation ein­geführt wird. Die nun pro­testantisch gewordene Gemeinde erhält, so be­legt eine Urkunde vom 8. Mai 1555, jetzt sogar ei­nen eigenen Pfar­rer. In den Wirren der Re­formation wurde nur wenig für den Erhalt der Kir­che in Buchdorf getan. So ist es kein Wun­der, dass die innere Ausstattung der Kirche im 16. Jahr­hundert als sehr bescheiden be­zeichnet werden kann. Die Chronik be­richtet, dass im Jahr 1570 zwei goldene Kelche gestoh­len wer­den. Der Fürst in Neuburg stiftet auf Bitten der Buchdor­fer dafür nur einen aus Ku­pfer. Und das Compe­tenzbuch des Für­stentums Neuburg verzeichnet im Jahr 1599 für Buch­dorf einen zer­risse­nen Chorrock, zwei Altartücher, ein Tüchlein auf dem Tauf­stein, ein Tauf­tisch­chen, eine Maßkanne und eine halbe Maß­kanne für den Mess­wein, einen ver­gol­deten kupfernen Kelch und ein gol­denes Blatt für die Hostie. Im Jahre 1641 sind alle diese Gegen­stände ver­schwunden, wohl eine Folge der Plünderungen wäh­rend des 30-jährigen Krieges.

Auch der Kirchenbau selbst ist in dieser Zeit sehr heruntergekom­men. Schon im Jahre 1591 wies das gotische Gotteshaus schwere Schäden auf. Das Kloster Hl. Kreuz in Donau­wörth gewährte „gna­denhalber“ - wie es in der Chro­nik heißt - 20 Gulden für die Wieder­her­stellung des Turmes.

Im Jahre 1618 wird Buchdorf unter Herzog Wolfgang Wilhelm zwar wieder ka­tholisch, verliert aber wieder den eigenen Pfarrer und ist abermals Filiale von Baierfeld.

Mit dem 30-jährigen Krieg wa­ren Hunger und Not gekommen, so dass auch die finanziel­len Mittel für eine dringende gründli­che In­standsetzung der Kir­che fehlten. So muss das Jahr 1651 das Buch­dorfer Gotteshaus in einem er­bärm­li­chen Zustand gesehen haben, wie erneute Klagen der Bevölkerung be­legen.

Die Gegenreformation ließ den katholischen Glauben wieder zu neuer Kraft auch in Buch­dorf aufleben. 1666 wird die Rosenkranz­bruderschaft ge­grün­det, die bis heute Bestand hat, und 1693 wer­den die regelmäßigen Früh­messen wie­der eingeführt. Im Jahre 1708 kann das Pfarrhaus, das offenbar noch mehr als die Kirche unter dem Zerfall litt, erneuert werden. Erst im Jahre 1726 be­kamen die Buchdorfer einen eigenen katholischen Pfarrer. Damit war die end­gültige Tren­nung von Baierfeld vollzogen: Buchdorf ist seitdem eine eigene Pfar­rei.

(Seit 1. April 1993 betreut der jeweilige Pfarrer von Buchdorf auch die mittlerweile wegen Priestermangels verwaiste Pfarrei Baierfeld.)

 

Der Neubau im 18. Jahrhundert

Der erste katholische Pfarrer Johann Hueber, ein gebürtiger Buchdorfer, bemühte sich sogleich um den Bau eines neuen Gotteshauses. Am 23. März 1726 schreibt er nach Eichstätt, dass die Kirche in Buchdorf in einem miserablen, baufälligen Zustand sei und der Einsturz drohe. Die Buchdorfer seien bereit, im „Scharwerk“ mitzuhelfen, aber die neue Kirche müsse größer werden, damit die rund 800 sonntäglichen Got­tesdienstbesucher Platz finden könnten. Werde die Kirche nicht ent­sprechend groß und neu gebaut, so würden sie jedes Scharwerk ver­wei­gern. Erst im Mai 1728 reagiert Eichstätt und lässt ein Gutachten anferti­gen, möchte aber ei­nem Neubau noch nicht zu­stimmen, sondern befürwortet eine Verlängerung der beste­hen­den Kirche. Nachdem aber durch weitere Un­ter­su­chungen sich heraus­stellt, dass die Bausubstanz der alten Kirche so ruinös ist, dass nur ein Neubau die richtige Lösung ist, wird der Bischöfli­che Hofbaudirek­tor de Gabrieli im Früjahr 1730 nach Buchdorf ge­schickt, um gleichfalls Au­gen­schein zu nehmen. Als auch er einen Neubau befürwortet, ver­folgt Eichstätt jetzt  die Sa­che mit Ernst und Nachdruck und lässt einen Plan für eine neue Kirche in Buch­dorf erstel­len. Doch die bischöflichen Mühlen mahlen langsam. Auch als der Buchdorfer Pfarrer im August 1730 berichten musste, dass unmit­telbar vor Be­ginn des Got­tesdienstes mehrere Bal­ken von der Decke herabge­stürzt seien, kann immer noch nicht mit dem Bau begonnen wer­den, weil die Finanzierung der Bau­kosten in Höhe von 3627 Gulden nicht gesi­chert ist. Das Kloster Hl. Kreuz in Donau­wörth als ein Zehentbezieher weigerte sich nämlich, sei­nen An­teil an den er­forderlichen Aufwendungen zu übernehmen. Erst ein lang­wieri­ger Pro­zess, der bis zur höchsten Instanz, zum Reichskammerge­richt in Mainz ging, brachte eine Klärung. Als im Sommer 1735 immer noch die alte baufällige Kir­che stand, riss dem Buchdorfer Pfarrer der Ge­duldsfaden und er schrieb nach Eichstätt, er möchte wissen, wer den Bau auch jetzt noch hinter­treibe, und wenn ihm jetzt die vor­gesetzte Behörde nicht helfe, müsse er allen prie­sterli­chen Ge­horsam unterlas­sen. Für dieses aufmüpfige Verhal­ten erhielt er zwar einen scharfen Verweis, aber auch die Erlaub­nis, mit dem Graben des Grundes zu be­ginnen. Mit Eifer machten sich die Buch­dorfer nun an die Arbeit und am 16. April des Jahres 1736 kann die Grundsteinlegung statt­finden. Der Dekan des Kapi­tels Monheim, Pfarrer Michael Wölfle aus Baier­feld, legte im Auf­trag des Eich­stätter Generalvikars eine Urkunde bei. Auch Pfarrer Hueber lässt ein zin­nernes Kästchen mit einer Ur­kunde, drei Fläschchen Walbur­gisöl, Kreu­zen und Medaillen in den Grund­stein ein. In der damals sicherlich kurzen Bauzeit von zwei Jahren ist der Kirchenbau fer­tig und kann benedi­ziert werden. Die Baukos­ten betragen nach ei­ner Aufstel­lung in der Schrift „Buchdorf - ein Bei­trag zur Orts- und Pfarrge­schichte“ von Pfarrer Michael Flock 3672 Gul­den und 40 Kreuzer. Davon hat­ten als Zehentherren das Klos­ter Kaisheim 1732, das Klo­ster Heilig Kreuz 783 und der Pfarrer von Altisheim 22 Gulden (fl.) zu zahlen. Je­weils 500 fl. steuerten die Rosenkranzbru­derschaft und die Kirchenstiftung bei.

Welch große finanzielle Anstrengung dieses Bauvorhaben für die Beteilig­ten be­deutete, lässt sich ersehen, wenn man weiß, dass im aus­gehenden 18. Jahr­hun­dert ein Pferd 15 fl. und eine Kuh 13 fl. wert war. Ein Geselle verdiente am Tag 20 Kreuzer, wobei 60 Kreuzer 1 fl. ausmachten.

Der im Rokokostil gestaltete Kirchenraum bekam erst nach und nach die Innen­ausstattung, wie sie sich heute zeigt.

Ein wichtiges Datum in der weiteren Geschichte des jetzigen Buchdorfer Gottes­hauses ist seine feierliche Konsekration durch den Eichstätter Bi­schof Jo­hann Friedrich Oesterreicher am 21. Sep­tember 1834. Die Kirche ist wie ver­mutlich alle ihre Vorgängerinnen dem heiligen Ulrich geweiht.

Im Jahre 1905 konnte ein neues schweres Geläute angeschafft wer­den, das al­ler­dings wäh­rend des Zweiten Weltkrieges für Rüstungs­zwecke größtenteils eingeschmol­zen wurde.

Als amerikanische Truppen 1945 gegen Buchdorf vorrückten, wurde der obere Kirch­turm auf der Nordseite durch eine Panzergra­nate schwer be­schädigt.

Zur Erhaltung unserer schönen Kirche wurden allein in diesem Jahrhun­dert zwei Außen- und drei Innenrenovierungen durchgeführt.

...in spätbarockem Glanz 

Aus welcher Richtung auch immer man sich Buchdorf nähert, das mäch­tige Kir­chenge­bäude mit seinem wuchtigen, gedrungenen Turm fällt schon von Wei­tem ins Auge und gibt dem Dorfbild ein unver­wechselbares Gepräge. Die Kirche ist aber nicht nur die optische Mitte des Ortes, sondern auch sein kultu­relles Herz­stück.

Über einem quadratischen Unterbau erhebt sich der achteckige obere Teil des Turmes mit einem Zelt­dach, das von einer abge­setzten Zwiebelspitze gekrönt ist. Die Zahlensymbolik sagt uns , dass die Vier auf den Menschen und die Welt hindeutet, während die Acht für Auf­erstehung und Vollendung steht. So verkündet diese Turmform dem gläubigen  Betrachter schon von weitem, dass hier ein Ort des Heiles ist, an dem Irdisches mit Himmlischem ver­bunden ist.  Dem markanten Aussehen des Turmes entspricht auch der charakteristische Klang des Buchdorfer Geläutes. Die vier Glocken sind den Bis­tumshei­ligen Wil­libald und Walburga so­wie der Gottesmutter Maria und dem Christkönig gewidmet. Die fei­erliche Weihe der Glocken durch den Eichstätter Bischof Jo­seph Schröffer im Jahre 1949 war das erste große Festereignis in Buch­dorf nach dem Krieg. Bei der letzten Au­ßenrenovierung in den Jah­ren 1986/87 wur­den auch die ursprünglich doppelbogigen Schallöff­nungen am Kirchturm wie­derhergestellt, die bei der Einzie­hung der alten Glocken wäh­rend des Krieges herausgeb­rochen worden waren.

 

 

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Gottesdienstzeiten

Heilige Messen in der Pfarrei Buchdorf

Samstag 19.00 Uhr abwechselnd in Buchdorf oder Bergstetten;
Sonntag 8.45 Uhr oder 10.00 Uhr abwechselnd in Buchdorf oder Baierfeld

Glockenanlage der Pfarrkirche

Pfarrkirche St. Ulrich in Buchdorf

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